Formation 7 - Die K√ľnstlerinnen

Formation 7: 1. Akt, HATZ

Mit dem Bewusstsein für grundsätzliche Fragen, die sich heute stellen, hat sich 2017 die Projektgruppe Formation 7 gebildet. Diese besteht aus 6 in Leipzig lebenden Künstlerinnen: Anja Heymann, Marie Carolin Knoth, Mandy Kunze, Petra Polli, Oskar Rink und Susanne Wurlitzer. Einmal im Jahr setzen sie sich mit ihrem jeweils eigenen Werk in Beziehung zu einer gemeinsam gewählten 7. künstlerischen Position. Diese wiederum kann sich auf die Vergangenheit, wie aber auch auf die Gegenwart beziehen. Entscheidend für die Projektgruppe Formation 7 ist es, dass die Auseinandersetzung mit der externen Position in einem offenen Dialog und intensiven Prozess des Austausches passiert.

In diesem Jahr fiel die erste gemeinsame Wahl von Formation 7 auf das Gemälde Bärenhetze aus dem 17. Jhd. von Carl Borromäus Andreas Ruthart. Es befindet sich im Museum der Bildenden Künste Leipzig und zeigt eine Szene, die von Brutalität und Gewalt geprägt ist. Es ist ein Sinnbild der Hackordnung, in dem der Stärkere über den Schwächeren triumphiert. Das Sujet der Jagd und der Hetze wurde schon zu Rutharts Zeit als Inhaltsträger sozialer, politischer oder auch religiöser Vorgänge begriffen. Angesichts der konfliktreichen Zeit, in der wir heute leben, hat die Entscheidung von Formation 7 für Rutharts Gemälde eine gesellschaftliche Relevanz. Sie bietet viele Anknüpfungspunkte an das, was die Gegenwart umtreibt.

Eine Auseinandersetzung mit den künstlerischen Positionen anderer, wie hier durch Formation 7, hat es immer gegeben. Ruthart selbst bezieht sich, was die Thematik und auch die Komposition seiner Bärenhetze betrifft, auf flämische Künstler des 17. Jhd. Insbesondere Gemälde von Paul de Vos und von Frans Snyders (Die Münchner Bärenjagd / Bayerische Staatsgemäldesammlungen München) dienten ihm als Vorbild. Auch zu Rubens Gemälde Merkur und Argus aus der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden lassen sich Bezüge herstellen.

Es bleibt mit Spannung zu erwarten, wie unterschiedlich die Mitglieder von Formation 7 das Bild Bärenhetze von Ruthart interpretieren werden oder wie sie mit ihrer Arbeit jeweils aufeinander Bezug nehmen oder sich gar ignorieren werden. Das Ergebnis wird mit Sicherheit medienübergreifend sein, denn Formation 7 lebt von der großen Vielfalt ihrer künstlerischen Ausdrucksformen.

Anja Heymann ist Medienkünstlerin. Auf der Suche nach einer Neurezeption für das zu analysierende Sujet unternimmt sie den Versuch, die Natur auf spielerische Weise zu imitieren und hinterfragt dabei etablierte Kategorien und Einordnungen. Ihre Auseinandersetzung mit Oberflächen und Strukturen ist multimedial und performativ. Sie findet ihre Form auch in objekthaften Arbeiten, die zumeist aus Nadeln und Haar bestehen. Durch ihre spezifische ästhetische Qualität erhalten diese eine geradezu exzessiv semantisierbare Fremdheit.

Marie Carolin Knoth vereint in ihrer Malerei sensibel ausgearbeitete, in sich ruhende figürliche Elemente mit bewusst unfertigen, oft schroff wirkenden, abstrakten Partien. Dabei bindet sie den Menschen in ein Geflecht von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem ein. Auch formal zeigen Knoths Arbeiten Prozesse der Transformation. Collagenhaft verknüpft sie die Malerei mit ganz unterschiedlichen technischen Verfahren, so auch mit dem nahezu in Vergessenheit geratenen Cliché Verre.

Mandy Kunze ist Malerin und Druckgrafikerin. Ihr Bildpersonal bewegt sich auf Straßen, in der Natur und in Innenräumen. In vermeintlicher Harmonie, in jüngster Zeit vornehmlich in Blautönen gehalten, schleichen sich immer wieder Brüche ein und sorgen für Irritation. Kunzes Arbeiten sind geprägt vom Prozess des Übermalens und des freien Umgangs mit Farbe. Dabei konterkariert sie, mitunter auch humorvoll, virtuos Gemaltes zumeist durch scheinbar Unfertiges.

Petra Polli beschäftigt sich in ihrer Malerei und Skulptur mit dem urbanen Raum und seinen Kommunikationsformen. Den Aspekt der Entschleunigung greift sie in der Serie Tacks auf. Der konkrete Ort, nur mehr erkennbar an den GPS-Koordinaten des Werktitels, wird zu einem symbolischen Ort in der Natur, unberührt und jenseits jeglicher kulturellen Eingriffe durch den Menschen.

Oskar Rink evoziert mit ihrer Kunst den gewundenen Prozess des Denkens. Inspiriert vom russischen Konstruktivismus und zeitgenössischer Architektur basieren ihre Gemälde und ihre dreidimensionalen, oft raumgreifenden Arbeiten auf Aspekten des Bau- und Ingenieurwesens. Sie wachsen, einer rhizomartigen Struktur gleich, in einem spielerischen Prozess, dessen Ergebnis Konventionen der Wahrnehmung von Zeit und Raum außer Kraft setzt. Für die 1.Akt:HATZ Ausstellung im Museum der Bildenden Künste Leipzig arbeitet Oskar Rink gemeinsam mit dem Graphiker und Autor Benjamin Kindervatter am Projekt Jagdzimmer.

Susanne Wurlitzer ist Grafik-Designerin und Malerin. In ihren Gemälden zeigen sich Landschaften, Interieurs und Personengruppen. Es sind hybride Welten, in sich verschachtelt und in ihrer Farbigkeit reduziert. Sie geben Ansichten unserer Gegenwart wieder, die zwar beiläufig erscheinen, aber eine komplexe malerische Struktur aufweisen.



1.Akt/Hatz - Ausstellung

1.Akt/Hatz - Ausstellung



Auftakt - Ausstellung